Geschichte

Eitzing – ein Ort mit Geschichte

Von der mittelalterlichen Burg zur lebendigen Innviertler Gemeinde

Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Innviertels blickt Eitzing auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Was heute eine kleine, lebenswerte Gemeinde im Bezirk Ried im Innkreis ist, war einst der Sitz eines bedeutenden Adelsgeschlechts. Über die Jahrhunderte prägten Burgherren, Landwirtschaft, kirchliches Leben und schließlich die Entwicklung zur modernen Wohngemeinde das Gesicht des Ortes.

Die Ursprünge des Ortes

Die Wurzeln des Namens Eitzing reichen vermutlich bis in die Zeit der bairischen Landnahme im 6. und 7. Jahrhundert zurück. Einer Überlieferung zufolge soll ein bairischer Edler namens Izo um das Jahr 600 eine Siedlung gegründet haben. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit Namensformen wie Icingen, Itzing und Eitzing.

Ob diese Überlieferung tatsächlich den Ursprung des heutigen Eitzing beschreibt, lässt sich historisch nicht eindeutig nachweisen. Die Endung „-ing“ verweist jedoch auf frühe bairische Siedlungstraditionen.

Die Herren von Eitzing und ihre Burg

Bereits um das Jahr 1150 ist das Adelsgeschlecht der Herren von Eitzing urkundlich nachweisbar. Auf einer Anhöhe in Obereitzing befand sich ihre Stammburg. Von dort aus verwalteten sie ihre Besitzungen, die sich über mehrere Orte diesseits und jenseits des Inns erstreckten. Ihre Begräbnisstätte befand sich im Kreuzgang des Stiftes Reichersberg.

Die Eitzinger spielten im mittelalterlichen Österreich eine bedeutende Rolle. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten des weitverzweigten Adelsgeschlechts zählte Ulrich von Eitzing, der im 15. Jahrhundert politischen Einfluss am österreichischen Hof erlangte.

Im Jahr 1476 verkaufte die Schwester des letzten oberösterreichischen Eitzingers, Thomas, die Herrschaft und Burg. Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte Eitzing über die Familie Hohenfelder im Jahr 1638 an die Grafen von Tattenbach.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde Schloss Obereitzing nicht mehr bewohnt und verfiel allmählich. In den ehemaligen Nebengebäuden entstand der Hofbauer. Im 19. Jahrhundert wurde am Schlossberg eine neue Hofstatt errichtet. Von den einst fünf Fischteichen an der Nordseite des Hügels blieb einer erhalten.

Kirche und dörfliches Leben

Die Kirche war über Jahrhunderte ein wichtiger Mittelpunkt des Zusammenlebens. Die Geschichte der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist eng mit jener der Herren von Eitzing und der umliegenden Pfarren verbunden.

Lange Zeit war Eitzing kirchlich mit Aurolzmünster verbunden. Erst im Zuge der josephinischen Kirchenreformen gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhielt Eitzing eine eigenständigere pfarrliche Organisation.

Über Generationen bestimmten der bäuerliche Jahreslauf, religiöse Feste und das enge Miteinander der Dorfbewohner das gesellschaftliche Leben.

1881 – die Entstehung der heutigen Gemeinde

Ein entscheidender Meilenstein war das Jahr 1881. Aus den früheren Steuergemeinden Eitzing, Berg und Kirchberg entstand die heutige Gemeinde Eitzing.

Landwirtschaft und Handwerk bildeten lange Zeit die wirtschaftliche Grundlage. Kleine Ortschaften, Einzelhöfe und landwirtschaftlich genutzte Flächen prägten die Landschaft und den Alltag der Bevölkerung.

Eitzing im 20. Jahrhundert – zwischen Tradition und Wandel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Eitzing eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Im Jahr 1900 lebten 659 Menschen hier. Der Alltag spielte sich vielfach auf den Bauernhöfen und innerhalb der Dorfgemeinschaft ab.

Die beiden Weltkriege und die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Zwischenkriegszeit waren auch für die Menschen in Eitzing einschneidende Ereignisse. Nach 1945 begann eine Phase des Wiederaufbaus und der Veränderung.

Die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft, neue Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Gemeinde und die bessere Erreichbarkeit der umliegenden Orte veränderten das Leben nachhaltig. Immer mehr Menschen fanden ihren Arbeitsplatz außerhalb der Landwirtschaft, während sie weiterhin in Eitzing wohnten.

Eine wesentliche Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielten die örtlichen Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr, die Musikkapelle und weitere Gemeinschaften prägten das kulturelle und gesellschaftliche Leben und tun dies bis heute.

Vom Bauerndorf zur modernen Wohngemeinde

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich Eitzing schrittweise. Neue Wohnhäuser entstanden, die Infrastruktur wurde ausgebaut und die Gemeinde entwickelte sich zunehmend zu einem attraktiven Wohnort in der Nähe der Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis.

Auch die Bevölkerungsentwicklung spiegelt diesen Wandel wider. Im Jahr 1971 zählte Eitzing 596 Einwohner, 1991 waren es 630. Besonders seit der Jahrtausendwende nahm die Einwohnerzahl deutlich zu.

Eine besondere Verbindung über die Landesgrenzen hinaus besteht mit der bayerischen Gemeinde Wald. Die Gemeindepartnerschaft besteht seit 1963 und wird durch persönliche Kontakte sowie zahlreiche Verbindungen zwischen Vereinen und Interessensgruppen gepflegt.

Das Gemeindewappen – ein Zeichen der Geschichte

Am 7. Mai 1973 wurde Eitzing offiziell das Gemeindewappen verliehen. Es zeigt drei silberne Ballen auf einem schräg in Rot und Schwarz geteilten Schild und geht auf das Stammwappen der Herren von Eitzing zurück.

Auch die Gemeindefarben Schwarz-Weiß-Rot erinnern an diese historische Verbindung. So ist die Geschichte des mittelalterlichen Adelsgeschlechts bis heute ein sichtbarer Bestandteil der Gemeindeidentität.

Eitzing im 21. Jahrhundert

Mit Beginn des neuen Jahrtausends setzte sich die Entwicklung zur modernen Wohngemeinde fort. Während Eitzing im Jahr 2001 noch 658 Einwohner zählte, waren es 2011 bereits 721 und 2026 schließlich 916.

 

Das Bevölkerungswachstum brachte neue Anforderungen an Wohnraum, Verkehrswege und die kommunale Infrastruktur mit sich. Gleichzeitig blieb die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildes.

Heute verbindet Eitzing seine ländlichen Wurzeln mit den Möglichkeiten einer modernen Gemeinde. Das aktive Vereinsleben, die Dorfgemeinschaft und die Nähe zu Ried im Innkreis tragen wesentlich zur Lebensqualität bei.

Geschichte für kommende Generationen bewahren – Das Heimatbuch

Ein besonderes Zeugnis der Ortsgeschichte ist das 2013 erschienene Eitzinger Heimatbuch. Es dokumentiert die Geschichte der Gemeinde und der Pfarre ebenso wie die Entwicklung der Landwirtschaft, des Gewerbes und des Vereinslebens.

Das Heimatbuch ist im Gemeindeamt erhältlich.

Eitzing ist damit weit mehr als eine kleine Gemeinde im Innviertel: Es ist ein Ort mit jahrhundertealter Geschichte, gewachsenen Traditionen und einer lebendigen Gemeinschaft, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.